Impulse – Projekte – Diskurse

 

KUNST LÄSST LEERSTAND LEUCHTEN

In Kooperation mit dem Kulturinstitut der Stadt Braunschweig verwirklichen wir seit Ende Dezember 2020 die Idee eines Geschenks an die Spaziergänger:innen und Flaneure in der Stadt. Allen, die die Begegnung mit den Stadtbewohner:innen vermissen, denen die Jahreszeit zu dunkel, die Stadt nicht glitzernd genug, allen, die etwas anderes wahrnehmen wollen, möchten wir ein „Zwischendurchgeschenk“ machen und Kunst in leeren Läden leuchten lassen. Zwei Maklerbüros bzw. Eigentümer:innen waren bereit, die Kunst hineinzulassen.

 

Aktuell sind folgende Arbeiten zu sehen:

 

WAISENHAUSDAMM 8 – 11

aus Braunschweiger Ateliers
vom 27. April bis 7. Mai

Michael Kaul
SHINE A LIGHT
auf unerwarteten Reisen 


„Shipless Ocean“,  „Magellan“,  „Matrosenliebe“ oder  „Southern Cross“ und „Home Town“ etwa heißen Bilder der letzten Zeit von Michael Kaul. Verheißung, unerfüllbare Versprechen, Fern- und Heimweh leuchten als Assoziationen auf. Dies ist durchaus wörtlich zu nehmen, thematisieren die Malereien doch die Farbe(n), die das Licht und den Raum erschaffen. Es ist daher keine Marine-oder Landschaftsmalerei im klassischen Sinn. Vielmehr sind Bilder mit solchen Titeln Metaphern für das Abenteuer MALEREI: in dem Augenblick, in dem man startet, weiß man noch längst nicht ob und wo man ankommt.  
AHOI

Michael Kaul, in Braunschweig geboren, studierte an der dortigen HBK. Seit Mitte der 80iger Jahre zeigt er seine Gemälde im In- und Ausland. Als Auszeichnungen erhielt er u.a. das Barkenhoff-Stipendium, das Villa-Romana Stipendium, sowie ein Arbeits-Stipendium des Kunstfonds e.V. Derzeitig arbeitet er in einem Atelier des Braunschweiger Künstlerhaus, Hinter Liebfrauen 2.

 

 

 

 

ZWISCHEN HAGENMARKTAPOTHEKE UND BLUMENLADEN

aus Braunschweiger Ateliers
vom 28. April bis 8. Mai

Hae Kim
1. Diät, ein abgeschliffenes Duden-Universalwörterbuch, ein Duden-Universalwörterbuch, 2 Küchenwaagen, 2020
2. Präparierte Erinnerung, Staub aus den abgeschliffenen Büchern, 01.2021–02.2021
3. Monolog (Duplikat, ausgedruckte Version) 01.2021

Die Kunst von Hae Kim kann als Manifestation der Suche nach dem Sinn des Lebens gelesen werden – sich wiederholend, täglich, immer.
Hae Kim schleift Bücher, deren Inhalt ihn interessiert, nach dem der Lektüre, so ab, dass ihr Inhalt unkenntlich wird. Den dabei entstehenden Staub sammelt der Künstler.
Am Ende eines jeden Jahres wird der angefallene Staub in einen durchsichtigen Kasten gefüllt.
Darüber hinaus druckt Hae Kim jeden Tag ein Tageswort aus seinem Tagebuch. Der Druck erfolgt mit Stempeln und Farbe, die aus dem Staub hergestellt werden.
Im Verlauf des Jahres wird die Schrift dunkler, weil immer mehr Staub in die Grundfarbe gemischt wird. Die Zeit wird sichtbar.

Der Künstler ist 1983 in Seoul, Südkorea, geboren. Studierte von 2014 bis 2020 an der HBK Braunschweig, zuletzt bei den Professoren Thomas Rentmeister und Thomas Virnich. Seine Arbeiten sind Readymades, poetische Archive. In ihnen befasst er sich mit Sprache, Abdruck und Sammlung – mit der Zeit.
Die Staub- und Abschliffarbeiten verweisen auf Handlungen in der Zeit, die tägliche Wiederkehr der Sinnsuche.
Hae Kim lebt und arbeitet in Braunschweig.
Seine Arbeiten waren zuletzt in Görlitz, in Hildesheim und im Kunstverein Braunschweig zu sehen.

 

 

 

Bereits zu sehen waren:

 

Thomas Bartels
Über See – Unter See
Als Ende des 19. Jahrhunderts das erste Kabel durch den Atlantik verlegt wurde, beschleunigte dies den Fluß von Information enorm. Zur gleichen Zeit wurden wichtige Eisenbahnlinien fertiggestellt, Fotografie und Film perfektioniert. Für die damaligen Menschen muß dies den Blick auf die Welt ähnlich verändert haben wie es für uns der Sprung ins Digitale tut. Schon lange macht sich Thomas Bartels Gedanken zu diesem nervösen Zeitalter, das schließlich im 1. Weltkrieg endete. Er baut Automaten und dreht Filme. Auch in der zähen Zeit des pandemischen Schocks entstehen Bilder und Geschichten in seinem Atelier, in das die Schaufenster am Waisenhausdamm für kurze Zeit einen Einblick erlauben.

Thomas Bartels (*1960) hat an der HBK Braunschweig studiert. Er arbeitet mit den Medien Film und Kinetische Skulptur/Installation. Material dazu sammelt er im Braunschweiger Alltag und auf Reisen. Ausstellungen, Forschungen und Arbeiten als Kameramann in Europa, Asien und den USA. Seit 2018 leitet er die Analogfilm-Werkstatt der HBK Braunschweig.

 

Petra Förster
Der Anblick des leeren Ladens hat mich sehr an unsere aktuelle gesellschaftliche Situation erinnert. Ich musste an die vielen Reiseveranstalter denken, an das freie Reisen, das Entdecken von Ländern, Landschaften und Kulturen. Ich erinnerte mich an Bahnfahrten in Sibirien und in der Mongolei. Das Zugfahrten war verbunden mit Übernachtungen im Zug, einer Bettdecke auf der Liege, einem Somawar mit heissen Wasser, einer Zugbegleiterin oder, seltener, einem Zugbegleiter. Und man reiste mit unbekannten Mitreisenden in einem Abteil. Während der Fahrten habe ich viele Fotos gemacht. Weil alles so toll aussah. Schöne Farben, ungewohnte Bahnhofsarchitektur und weite Landschaft. Ich habe den Ausstellungsort zum Anlass genommen, diese Bilder zu einer schnellen Stop Motion Fahrt zusammenzustellen. Die gefilmten Abschnitte sind von Thomas Bartels und zusammengeschnitten ergeben die unterschiedlichen Aufnahmemethoden einen Rhythmus.
In den Fensterscheiben des Ladens spiegelt sich die Umgebung: die Autos, Fahrräder und Straßenbahnen. Projektion und Wirklichkeit verschmelzen.
Es ist eine Fahrt vom Tag in die Nacht. Von Ulan Uhde nach Irkutsk.
Die plastische Figur aus grobem Ton dreht sich mit geschlossenen Augen im Kreis, nach innen gerichtet und träumt sich in die Ferne.
Die Vögel verbinden das Schaufenster und den leerstehenden Innenraum. Wir stehen aussen und schauen ihnen zu.

Petra Förster, Jahrgang 1964, studierte Freie Kunst mit Schwerpunkt Druckgrafik und Plastik an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig und an der Ecole des Beaux Arts in Nîmes, Frankreich. Stipendien, Auszeichnungen und Ausstellungen. Lehrtätigkeiten an der HBK Braunschweig, TU Braunschweig und der Fachhochschule Hannover. Die intensive Arbeit im Bereich der Freien Kunst wurde seit 2005 bereichert durch die Forschungen in der traditionellen Tibetischen Kunst. 2017 verfasste Petra Förster eine Dissertation über dieses Thema an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

www.petra-foerster.com

 

Dominik Kuschmieder
WEGDERFORMEN!
Dominik Kuschmieder (geb. 1984) absolvierte die Modeschule Kehrer in Stuttgart.
In Berlin widmete er sich der freien künstlerischen Arbeit und beschäftigte sich mit Form- und Farbkonstellationen und dem Material Holz.
2015 entstand daraus die Ausstellung „Formen aus der Zeit“ im Kokolores Berlin. Im gleichen Jahr begann der Künstler an der HBK Braunschweig das Studium der Freien Kunst.
Im öffentlichen Raum war zum Beispiel die Arbeit „Blaase“ am Kröpke in Hannover beim 21. Zinnober zu sehen. Ebenfalls im öffentlichen Raum war 2020 die Gruppen-Installation: „Xenophilie“ an der Alten Waage in Braunschweig.

www.kuschmieder.com
www.instagram.de/kuschmieder
Dkuschmieder(at)gmail(dot)com

 

Fabien Diffè
Schicksal eines Lebewesens mit kurzer Lebensdauer

Im Rahmen von SCHNITT STRICH STICH hat der Allgemeine Konsumverein den jungen Künstler Fabien Diffè aus Kamerun eingeladen. Diffè studierte an der HBK Braunschweig zuerst visuelle Kommunikation und derzeit Freie Kunst bei Professor Thomas Virnich.
Fabien Diffè zeichnet live, lässt eine Bildergeschichte wachsen. Man kann zusehen und immer wieder hin gehen und nachsehen wie die Zeichnungen entstehen und was sich daraus für die Geschichte ergibt.

 

Jeanne Hamilton
Die Künstlerin zeigt Verhältnistücher – Malerei und Zeichnung auf Stoff. Tod und Sexualität, Genderfragen und Körperwahrnehmung, Identität und Erinnerung sind die Themen ihrer dieser Arbeiten.
Jeanne Hamilton wurde in Washington, D.C. geboren und  ist in Memphis (USA) aufgewachsen. Sie hat an The School of the Art Institute of Chicago (B.F.A.) und Central European University, Budapest (M.A. Gender Studies) studiert.
Ihre Arbeiten waren in Amsterdam und in Berlin, Bukarest und Chicago, Hannover und Braunschweig, Memphis und Wien zu sehen.

www.instagram.com/jjjenius/
www.jeannehamilton.wordpress.com

www.themoderndoorgroup.bandcamp.com/music

 

PMS LPV HLB MCD / URC*
Die Künstlerin bildet ein Kollektiv zwischen allen Rollen und Disziplinen – installative Fotografie und Objekte, Zeichnung und Skulptur, Körper und Raum, Schrift und Performance
2 x 4,5 = 9M blù:

Wanderung mit Uterus

I AM WE • WIR SIND NOI • YOU ARE COLLECTIVE
Wir werden immer MUNTE_R bleiben, denn Kunst lässt Leerstand leuchten!

www.mariedann.de

 

Franziska Pester
ABSCHIED VON O | O II - FAHRT | „Echo“ wurde dazu verurteilt, nur das zuletzt Gesagte zweimal wiederholen zu können. | „O!“ | „O!O!“

Klanginstallation, 2020
Tandem gehüllt in Filz, zwei Lautsprechern, Fahrradständer

Rips Raps, alles in meinen Sack
Klanginstallation, 2021
Plattenspieler, Rapspflanzen, Samen, Stoff

www.franziska-pester-blog.tumblr.com

 

anna.laclaque
last dance

Video-Installation, 2019
14:06 min. loop

www.laclaque.org

 

Torben Laib
Jingle

Installation, 2020
Klang, entkleidete Registrierkasse, DC-Motor, Kabelbinder, DC-Drehzahlsteller, Piezokeramische Elemente, Verstärker, 1-Cent-Münzen, Schneckenabwehrband, Holz, Schrauben, Netzteile, Kabel, Strom

www.torbenlaib.de

 

Sina Heffner
Schwarm I

Skulptur, 2016
Papier, 170 x 100 x 90 cm

www.sinaheffner.de

 

 

Die Vermittlungsangebote im Allgemeinen Konsumverein sind thematisch an das Jahresprogramm bzw. die jeweils stattfindenden Ausstellungen gebunden. Es finden Workshops für Erwachsene, Jugendliche, Kinder statt, Kooperationsprojekte mit Grund- und Realschulen, Gymnasien sowie der Nachmittagsbetreuung ebenso wie (Fortbildungs-)Angebote für Vermittler:innen.

Fragen zum Vermittlungsprogramm und Anmeldungen unter: vermittlung(at)konsumverein(dot)de

 

Kunstsonntag mit Kindern

mit Kristina Michalski

Endlich Zeit für Kunst mit Kindern – analog im Konsumverein, bei gutem Wetter draußen und nur mit einer sehr kleinen Gruppe. Familien oder andere Gruppierungen werden von der Kunstvermittlerin Kristina Michalski durch die jeweils aktuelle Ausstellung geführt. Es wird nachgedacht, nachgefragt, unterbrochen und spekuliert. Im Anschluss dürfen die Kleinen und die Großen selbst künstlerischen Impulsen folgen und selbst tätig werden.

Anmeldung: vermittlung(at)konsumverein(dot)de

Teilnehmerzahl: maximal 7 Personen

Gebühr: 5 Euro pro Person, maximal 15 Euro pro Familie

Termine: individuell planbar

 

 

klang | kunst | schule

mit Franziska Pester-Homann

„Ich höre was, was du nicht siehst!" Impulse und Vermittlung mit Kindergartengruppen.
Die Gruppen sind an zwei Vormittagen eingeladen zum Lauschen, Plaudern über Lieblingsgeräusche, Forschen und Experimentieren mit Material und Klang. Angeleitet von Franziska Pester, entsteht so eine Klangcollage die eine Woche später bei Radio Okerwelle zu hören sein wird. 

Termine: individuell planbar 

Anmeldung: vermittlung(at)konsumverein(dot)de

Teilnahmegebühr: 6 Euro pro Person; 

Alter: ab 4 Jahre